HAGGEFUGG - Metgefühl

Tapfere Krähen in der Schenke

Haggefugg

"Metgefühl"

(Bandhomepage - Facebookseite)

Im Kölner Raum rumpelt und pumpelt es seit gut einem Jahr mittelalterlich-rockig aus den Tavernen, Clubs und Hallen. Die sechs jungen Speluden – kaum trocken hinter den Lauschlappen – Gregor Krähenkehle (Gesang), Dudel zu Lang (Dudelsack, Schalmei), Henry D'Humel (Dudelsack, Gesang), Martin Lauther (Stromgitarre), Bassbär (na ratet mal) und Hauptmann Klopfer (auch nicht allzu schwer) enterten 2015 erstmals die Bühnenbretter dieser Welt und gewannen ruckzuck den Sängerstreit auf In Extremos "20-Wahre-Jahre"-Festival.  Schnell schossen sie über den lokalen Rahmen hinaus und waren auf den verschiedensten Festivitäten live zu erleben – u.a. im Vorprogramm zu Russkaja oder den bereits erwähnten Historock-Heroen In Extremo.


Haggefugg_BandJetzt rücken sie putzmunter mit ihrem ersten Album heran, das den Titel "Metgefühl" trägt, womit schon sehr deutlich der Tenor der Scheibe vorgegeben wird ... oder besser hinausposaunt. Denn Haggefugg sind nicht unbedingt Vertreter der zarten Spielweisen, Liebhaber romantischer Balladen oder sehnsuchtsvoller Schmachtereien, nein, bei dem Sextett gib es von Anfang an mit vollem Dudelsackgebläse, Strom unter den Bass- und Gitarrensaiten und Schlagwerkdonnerwetter auf die Mütze – oder wahlweise auf den Helm. Nach einer kleinen Unfugsintro legen die Spieljungs mit dem Brecher "Met, Wirt, bestellt" los und sorgen beim Auditorium umgehend für mitwippende Haartracht, in der Folge dann für zappelnde Beine und spätestens beim ersten Mitgröl-Refrain für unkontrolliertes Umherspringen. Recht manierlich mischen die Speluden altbekannte Melodien wie das norwegische "Villemann Og Magnhild", das okzitanische "Ai Vist Lo Lop" oder das norwegische "Kråkevisa" (hier "Krähenweise") mit eigenen Versen und Kompositionen – meist zu metgeschwängerter Ausgelassenheit. Nicht umsonst wurde ihre Stil schon als "Prost-Mittelalter-Party-Rock" bezeichnet – und das trifft die Sache auch recht genau. Sehr erfreulich ist, dass die Vaganten nicht nur im Volltempo agieren, sondern zwischendurch auch hymnische und ruhigere Töne anschlagen wie der Feuerzeug- oder Fackelschwinger "Seemansgarn".

 

Haggefugg LogoKurzum, Haggefugg legen nach ihrer Debüt-EP "Trinkt aus!" vom letzten Jahr einen kernigen und spielfreudigen Silberling mit zwölf Liedern vor, der zwar nicht vor Innovation brennt, aber durchaus einen ganzen Haufen Potential zeigt und sich irgendwo zwischen Feuerschwanz, In Extremo und Co. ansiedelt. Fans dieser und ähnlicher Truppen sollten dringend mal ein Öhrlein riskieren.

 

[Peter Sailer M.A.]

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